Ob eine Wärmepumpe in ein älteres Haus passt, lässt sich am Baujahr kaum ablesen. Wichtiger ist, mit welcher Heizwassertemperatur Ihre Räume an einem kalten Tag warm werden. Reichen dafür höchstens etwa 55 °C, kommen viele Häuser mit den vorhandenen Heizkörpern aus. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie das vorab einschätzen und was der Betrieb genauer prüfen sollte.
Was Messungen in bestehenden Häusern zeigen
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat in Deutschland 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern mit Baujahren von 1826 bis 2001 gemessen. Laut Presseinformation vom November 2025 erreichten die 61 Luft-Wasser-Wärmepumpen im Jahr 2024 eine mittlere Jahresarbeitszahl von 3,4. Die schwächste Anlage kam auf 2,6, die beste auf 4,9. Die 16 Erdwärmepumpen lagen im Mittel bei 4,3.
Einen Zusammenhang zwischen Baualter und Effizienz fanden die Forschenden nicht. Laut Abschlussbericht zeigte sich ein Zusammenhang nur mit den Heizkreistemperaturen. Von 42 Anlagen mit Heizkörpern liefen 30 im Mittel mit 34 bis 45 °C Vorlauf.
Lesen Sie diese Zahlen mit drei Einschränkungen. Gemessen wurde in Deutschland. Das Jahr 2024 war mild, Temperaturen unter minus 5 °C traten selten auf. Und die älteren Häuser der Stichprobe waren überdurchschnittlich saniert: Bei den Gebäuden bis Baujahr 1979 waren 95 Prozent der Fenster, 82 Prozent der Dächer und 56 Prozent der Außenwände energetisch erneuert. In einer kälteren Messperiode 2022/23 lag die Spanne der Luft-Wärmepumpen bei 2,4 bis 4,0, wie das Institut zum Zwischenstand berichtet. Eine vergleichbare veröffentlichte Feldmessung aus Österreich haben wir nicht gefunden.
Der Test an einem kalten Tag
klimaaktiv nennt eine einfache Faustregel: Werden an einem kalten Wintertag alle Wohnräume mit höchstens 55 °C Vorlauftemperatur ausreichend warm, ist das Haus ohne weitere Maßnahmen für eine Wärmepumpe geeignet. Vaillant Österreich beschreibt einen Selbsttest mit Ihrer bestehenden Heizung:
- Warten Sie einen kalten Tag ab.
- Drehen Sie die Thermostatventile in den genutzten Räumen ganz auf.
- Senken Sie die Vorlauftemperatur über die Heizkurve schrittweise, bis die Räume gerade noch warm bleiben.
- Lesen Sie die Vorlauftemperatur an der Regelung ab.
Kennen Sie die Bedienung Ihrer Regelung nicht, verstellen Sie die Heizkurve nicht auf gut Glück. Bitten Sie den Betrieb, den Test bei der nächsten Wartung mit Ihnen zu machen.
Liegt der Wert bei 55 °C oder darunter, ist das ein gutes Zeichen. Bleiben nur einzelne Räume kühl, liegt es meist an einzelnen Heizkörpern. Brauchen fast alle Räume deutlich mehr, sollten Sie über Dämmung oder größere Heizflächen sprechen, bevor eine Anlage ausgelegt wird. Jedes Grad weniger Vorlauf senkt laut klimaaktiv den Stromverbrauch der Wärmepumpe um 2 bis 2,5 Prozent im Jahr.
Heizkörper raumweise prüfen
Die Leistung auf dem Datenblatt eines Heizkörpers gilt für 75/65 °C, also für eine Heizwassertemperatur, mit der Wärmepumpen nicht laufen sollen. Bei 55/45 °C gibt derselbe Heizkörper ungefähr die Hälfte ab. Ein Beispiel aus den Leistungstabellen von Vogel&Noot nach ÖNORM EN 442: Ein Kompaktheizkörper Typ 22 mit 600 × 600 mm leistet bei 75/65 °C 1.028 Watt, bei 55/45 °C noch 518 Watt.
Ob das für einen Raum reicht, zeigt erst der Vergleich mit der Raumheizlast. Diese berechnet der Betrieb nach ÖNORM EN 12831 aus Fläche, Bauteilen und Lage des Raums. Eine seriöse Schätzung aus dem Bauch heraus gibt es dafür nicht. Fraunhofer ISE empfiehlt, die Auslegung Raum für Raum zu prüfen und gezielt die zu kleinen Heizkörper zu tauschen. So sinkt die nötige Temperatur für das ganze Haus.
Oft betrifft das nur wenige Räume, etwa ein Bad oder ein Eckzimmer mit zwei Außenwänden. klimaaktiv nennt als weitere Möglichkeit Heizkörper mit Gebläse, die bei gleicher Größe mehr Wärme abgeben. Eine nachgerüstete Fußbodenheizung ist eine Option, aber keine Voraussetzung. In der Fraunhofer-Messung liefen ausreichend große Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen wie Flächenheizungen.
Was vorher sinnvoll ist
Ein Haus muss nicht auf Neubaustandard saniert werden, um mit einer Wärmepumpe zu heizen. Das ist auch eine Kernaussage der Fraunhofer-Studie. klimaaktiv rät aber, günstige Maßnahmen vor der Auslegung umzusetzen, vor allem die Dämmung der obersten Geschossdecke und einen hydraulischen Abgleich. Beides senkt den Leistungsbedarf und damit oft die Gerätegröße und die nötige Vorlauftemperatur.
Planen Sie größere Sanierungen wie neue Fenster oder eine Fassadendämmung in den nächsten Jahren, sagen Sie das dem Betrieb vorher. Eine Anlage, die für das unsanierte Haus ausgelegt ist, ist danach zu groß.
Hochtemperatur-Wärmepumpe und Hybridheizung
Technisch erreichen manche Geräte deutlich mehr als 55 °C. Vaillant schreibt, Wärmepumpen könnten Vorlauftemperaturen bis 75 °C erzeugen, angestrebt würden aber höchstens 55 °C. Je höher die Temperatur, desto mehr Strom braucht die Anlage für dieselbe Wärme.
Für die Bundesförderung ist die Grenze fix. Laut Informationsblatt zum Kesseltausch 2026 (Version 10/2026) darf die Vorlauftemperatur im Heizkreis 55 °C nicht überschreiten. Ein Haus, das dauerhaft heißeres Wasser braucht, bekommt diese Förderung also nicht. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob sich einzelne Heizkörper tauschen lassen.
Eine Kombination aus Wärmepumpe und Gaskessel fördert die Bundesaktion nicht, weil weiter ein fossiler Brennstoff eingesetzt wird. Das steht in den FAQ zum Kesseltausch 2026. Pellet-Wärmepumpen-Hybride können dagegen gefördert werden, wenn das Gerät gelistet ist.
Fragen, die Sie dem Betrieb stellen sollten
Die Fraunhofer-Messungen zeigen einige wiederkehrende Schwachstellen. Die meisten untersuchten Wärmepumpen waren großzügig dimensioniert. Viele Anlagen schalteten sehr häufig ein und aus, die Hauptursache lag laut Bericht in der Regelung. Bei rund der Hälfte der Anlagen mit Heizkörpern sank der Vorlauf nie unter 35 °C, die Heizkurve war also eher hoch eingestellt. Fragen Sie deshalb:
- Auf welche Heizlast ist die Anlage ausgelegt, und wie wurde sie berechnet?
- Welche Heizkörper reichen bei der geplanten Vorlauftemperatur nicht aus?
- Wie wird die Regelung eingestellt, und wer passt die Heizkurve nach dem ersten Winter an?
- Welcher Speicher ist vorgesehen, und warum?
- Welche SCOP-Werte nach EN 14825 haben die angebotenen Geräte? Fraunhofer ISE empfiehlt, Angebote danach zu vergleichen.
Aufstellung und Schall
Bei Luft-Wärmepumpen ist das Außengerät oft der heiklere Teil der Planung. klimaaktiv nennt für Wohngebiete nach ÖNORM S 5021 Planungsrichtwerte von nachts höchstens 30 dB(A) an der Grundstücksgrenze. Welcher Wert gilt, hängt aber von der Widmung ab. Das Infoblatt des Landes Steiermark enthält eine Tabelle, welche Schallleistung bei welchem Abstand passt. Steht das Gerät vor einer Wand, kommen 3 dB dazu.
In Wien ist eine Wärmepumpe laut Merkblatt der Baupolizei nicht immer bewilligungspflichtig. Rechtssicherheit beim Schall gibt laut Leitfaden der Stadt nur ein Gutachten nach ÖAL-Richtlinie 3. Die Regeln unterscheiden sich je Bundesland. Für eine erste Abschätzung gibt es den Schallrechner von Wärmepumpe Austria.
Förderung im Bestand: Stand Oktober 2026
Laut Informationsblatt zur Neuauflage des Kesseltauschs (Version 10/2026) ist die Registrierung für Ein-, Zweifamilien- und Reihenhäuser ab 2. November 2026 möglich, längstens bis 31. Dezember 2026 und nur, solange Budget vorhanden ist. Für eine Wärmepumpe nennt das Blatt höchstens 5.000 Euro, für Tiefenbohrung oder Brunnen zusätzlich bis zu 5.000 Euro. Gefördert wird der Ersatz einer fossilen Heizung oder eines Elektrospeicherofens. Für die Registrierung brauchen Sie ein Energieberatungsprotokoll Ihres Bundeslandes. Wo Fernwärme technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist, wird zuerst diese geprüft.
Neue Heizkörper selbst sind nicht förderfähig. Die Liste der förderungsfähigen Kosten (Version 11/2025) schließt die Wärmeverteilung im Gebäude einschließlich Radiatoren aus. Dämmung und Fenster laufen über eigene Programme. Ab 4. Jänner 2027 können laut Sanierungsoffensive wieder Anträge für 2027 gestellt werden. Prüfen Sie vor dem Auftrag den aktuellen Stand und die Förderung Ihres Bundeslandes. Was die Neuauflage sonst vorsieht, steht im Kostenratgeber.
Nächste Schritte
Notieren Sie das Ergebnis Ihres Tests am kalten Tag, die Typen und Maße Ihrer Heizkörper und Ihren bisherigen Jahresverbrauch. Mit diesen Angaben können Sie Kosten und Angebote vergleichen. Rechnen Sie die Stromkosten auch mit einer Jahresarbeitszahl am unteren Rand der Messwerte durch. Einen Überblick über Planung und Wärmequellen gibt die Wärmepumpen-Übersicht. Was nach dem Einbau an Wartung anfällt, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe warten.
Über die Betriebssuche mit Wärmepumpen-Filter finden Sie Betriebe in Ihrer Region. Die Suche nutzt Leistungsangaben und passende Gewerbedaten. Lassen Sie sich die Erfahrung mit Wärmepumpen im Bestand vom Betrieb bestätigen.
Redaktioneller Quellenstand: 23. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Funktioniert eine Wärmepumpe mit normalen Heizkörpern?
Ja, wenn die Heizkörper Ihre Räume an kalten Tagen mit höchstens rund 55 °C Vorlauftemperatur warm halten. Das ist die Faustregel von klimaaktiv. In einer deutschen Feldstudie des Fraunhofer ISE liefen die meisten Anlagen mit Heizkörpern im Mittel mit 34 bis 45 °C. Ob das für Ihr Haus gilt, zeigen ein Test an einem kalten Tag und eine raumweise Prüfung durch den Betrieb.
Muss das Haus vorher gedämmt werden?
Eine Vollsanierung ist keine Voraussetzung. Fraunhofer ISE fand keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz, wohl aber mit der Heizwassertemperatur. klimaaktiv empfiehlt, günstige Schritte wie die Dämmung der obersten Geschossdecke und einen hydraulischen Abgleich vor der Auslegung umzusetzen, weil sie Leistungsbedarf und Vorlauftemperatur senken.
Wie mache ich den 55-Grad-Test?
An einem kalten Tag die Thermostatventile ganz öffnen und die Vorlauftemperatur über die Heizkurve schrittweise senken, bis die Räume gerade noch warm bleiben. Der abgelesene Wert zeigt, was Ihre Heizkörper brauchen. Wenn Sie die Regelung nicht selbst verstellen möchten, lassen Sie den Test bei der nächsten Wartung vom Betrieb machen.
Wie viel Leistung verliert ein Heizkörper bei niedrigerer Temperatur?
Bei 55/45 °C gibt ein Heizkörper ungefähr die Hälfte seiner Normleistung ab, die für 75/65 °C angegeben wird. Das zeigen Herstellertabellen nach ÖNORM EN 442. Welche Leistung ein Raum tatsächlich braucht, ergibt erst die Heizlastberechnung des Betriebs.
Müssen alle Heizkörper getauscht werden?
Meist nicht. Geprüft wird Raum für Raum, und Fraunhofer ISE empfiehlt, gezielt die zu kleinen Heizkörper zu tauschen. Beachten Sie, dass Heizkörper in der Bundesförderung Kesseltausch nicht zu den förderungsfähigen Kosten zählen.
Welche Jahresarbeitszahl ist im Altbau realistisch?
Fraunhofer ISE hat bei 61 Luft-Wasser-Wärmepumpen in deutschen Bestandshäusern im milden Jahr 2024 Werte von 2,6 bis 4,9 gemessen, im Mittel 3,4. Erdwärmepumpen lagen im Mittel bei 4,3. Die älteren Häuser der Stichprobe waren überdurchschnittlich saniert. Rechnen Sie Ihre Stromkosten deshalb auch mit einem Wert am unteren Rand.
Ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe die Lösung für alte Heizkörper?
Sie kann höhere Temperaturen liefern, braucht dafür aber mehr Strom. Für die Bundesförderung Kesseltausch darf die Vorlauftemperatur im Heizkreis 55 °C nicht überschreiten. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob sich einzelne Heizkörper tauschen lassen.
Werden Gas-Wärmepumpen-Hybridheizungen gefördert?
Nein. Laut FAQ zum Kesseltausch 2026 fördert die Bundesaktion keine Kombination mit Gas, weil weiter ein fossiler Brennstoff eingesetzt wird. Pellet-Wärmepumpen-Hybride können gefördert werden, wenn das Gerät gelistet ist.
Wie nah darf das Außengerät an der Grundgrenze stehen?
Das hängt von der Schallleistung des Geräts, der Widmung und Ihrem Bundesland ab. Für Wohngebiete nennt klimaaktiv nach ÖNORM S 5021 nachts höchstens 30 dB(A) an der Grundgrenze als Planungsrichtwert. Die Steiermark stellt eine Abstandstabelle bereit, in Wien gibt nur ein Gutachten nach ÖAL-Richtlinie Rechtssicherheit.